Reaktion der Evangelischen Landeskirche Baden

1. Oktober 2009 | Von mp | Kategorie: Öffentlichkeitsarbeit

Evangelische Landeskirche Baden

Die evangelische Landeskirche in Baden hatte per Gemeindebrief vor Wochen zur Unterstützung des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden aufgerufen. Dies hatte eine Welle der Empörung bei Schützen und Jägern hervorgerufen siehe auch den diesbezüglichen, offenen Brief.

Die Antwort, mit der man sich überaus lange Zeit gelassen hat, ist nun in Form eines standardisierten Serienbriefes versandt worden. Dieser findet sich im Wortlaut am Schluss dieser Meldung.

Das bittere Resumee vorab:

Von der evangelischen Landeskirche Baden kommt keinerlei Einsicht, keinerlei korrigierende Reaktion, oder gar eine Distanzierung von den Forderungen des ABW. Ganz im Gegenteil, man scheint den eingeschlagenen Kurs gegen Schützen und Jäger weiter verfolgen zu wollen. Man hat offensichtlich, siehe den letzten Absatz des Schreibens, lediglich Sorgen vor  Kirchenaustritten und damit vor dem Verlust von Kirchensteuern und seiner Pfründe.

Die Argumentation, mit der man dies zu verhindern sucht, spricht für sich und erinnert an die Zeit des Mittelalters. Man geht dabei soweit, daß man versucht eine Verknüpfung zwischen der Taufe, dem Glauben an Gott und die Gerechtigkeit Christi auf der einen und dem Verbleib in einer irdischen Organisation, die sich gegen existenzielle Interessen Ihrer Mitglieder richtet, auf der anderen Seite herzustellen. Das ist nicht nur fragwürdig, das ist unlauter.
Niemand, der ernsthaft Christ ist, muss Mitglied einer Kirche sein, um in den Genuss der Gnade Gottes zu kommen.
Will er ein guter Christ sein, ist er vor allem der Ehrlichkeit und Gerechtigkeit verpflichtet. Ehrlich wäre es, Fakten anzuerkennen, die bewiesen sind und die sagen: Schulmassaker und andere Massaker lassen sich nicht durch Gesetze, schon gar nicht durch Stigmatisierung und Diffamierung friedlicher Menschen wegen ihres Hobbys verhindern.
Das wäre auch gerecht. Was die Aktivisten des Aktionsbündnisses mit Unterstützung der Kirche veranstalten, ist objektiv ungerecht, es ist verlogen und damit unchristlich. Christlich wäre es, wenn sich die im Aktionsbündnis aktiven Hinterbliebenen in ihrem unendlichen seelischen Leid dem Trost und der Liebe Gottes öffnen würden.

 

Nachfolgend der Antwortbrief der Kirche im Wortlaut:

Sehr geehrter …..

Ihr Schreiben vom …..  haben Sie an Landesbischof Dr. Fischer gerichtet. Er dankt Ihnen für Ihr Schreiben und hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Mit Ihrer Zuschrift reagieren Sie auf unseren o.g.  Brief, den wir an unsere Kirchengemeinde richteten. Wir bedauern, dass  Sie die kircheninterne Empfehlung der Evangelischen Landeskirche in Baden, das Aktionsbündnis Winnenden zu unterstützen, als persönlichen Angriff empfunden haben. Als solcher war das Schreiben des Evangelischen Oberkirchenrates nicht gedacht und auch nicht formuliert.

Das Aktionsbündnis Winnenden verfolgt nicht nur das Ziel, dass das Waffenrecht geändert wird. Es will vielmehr alle Aktionen unterstützen, die ein solches Verbrechen wie den Amoklauf von Winnenden zumindest verhindern helfen. Natürlich wird es keine völlige Sicherheit geben, aber man kann beispielsweise durch eine Änderung des Waffengesetzes zumindest Barrieren erhöhen.

Ihre Reaktion zeigt uns, dass Sie grundsätzlich unser Anliegen teilen, alles uns Mögliche dafür zu tun, kriminellen Gewalttaten vorzubeugen. Die Landeskirche unterstützt in ihren verschiedenen Arbeitsfeldern wie Schulseelsorge, Religionsunterricht und mehr auf vielen Ebenen die Bemühungen, Gewalt an Schulen zu verhindern. Dass sie empfiehlt, das Aktionsbündnis zu unterstützen, bedeutet nicht, dass sie Position gegen Sportschützen, Jäger oder gegen die Jagd allgemein bezieht. In unserem Brief an die Gemeinden wollen wir weder Ihren Sport oder Ihre Aufgaben als Jäger noch gar Sie als Person in irgendeiner Form angreifen.

Das Aktionsbündnis Winnenden ist an die Evangelische Landeskirche in Baden herangetreten mit der Bitte, seine Forderungen und Bemühungen zu unterstützen. Das tun wir insofern, dass wir seine grundsätzlichen Ziele und Forderungen teilen und unsere Kirchengemeinden gebeten haben, die Unterschriftenlisten und Materialien des Bündnisses auszulegen. Kirchensteuergelder werden hierfür nicht verwendet, auch finanziell wird das Bündnis durch uns nicht unterstützt.

Wir bitten Sie, Ihren Beitrag zur Prävention gemeinsam mit uns dadurch zu leisten, dass Sie sich für die aus Ihrer Sicht richtigen Maßnahmen einsetzen.

Diese Unterstützung des Aktionsbündnisses ist nicht gegen Sie gerichtet. Bitte ziehen Sie daraus auch keine vorschnellen Schlussfolgerungen, indem Sie Ihre Kirchenmitgliedschaft beenden. Auch wenn wir ind er Sache verschiedene Positionen einnehmen, sollten wir darüber nicht vergessen, dass die durch die Taufe gestiftete Gemeinschaft des Glaubens stärker und umfassender ist als Meinungsverschiedenheiten, die in der Kirche sein dürfen und ihren Platz haben. Die Ausgrenzung einer Personengruppe aus der kirchlichen Gemeinschaft ist mit der Unterstützung des Aktionsbündnisses nicht beabsichtigt. Darum ist unsere Bitte: Bleiben Sie Ihrer Kirche weiterhin verbunden.

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8 Kommentare auf "Reaktion der Evangelischen Landeskirche Baden"

  1. Michael Gleßner sagt:

    Liebe Mitverfolgte,

    die Antwort der ev. Landeskirche ist ein Schlag in unser aller Gesicht! Aber es paßt zum dem Bild, welches ich schon seit Jahrzehnten von der ev. Kirche allgemein habe: Da gab es Pfarrer, die sich weigerten Soldaten in Ausgehuniform zu verheiraten oder Gäste in Uniform aus der Kirche baten. Wie christlich! Die Pfarrer hätten sich besser am neuen Testament orientiert, denn Jesus hätte das sicher nicht getan. Seine Devise war “gebt dem Kaiser was des Kaisers ist” und soll bedeuten “kümmert Euch um Euer Seelenheil und nicht um weltliche Institutionen”. Gott sei Dank sind nicht alle Pfarrer so verblendet und anscheinend machen ja auch nicht alle die Aktion mit. Die Behauptung der Landeskirche aber, sich nicht gegen uns zu richten, ist eine unverschämte Lüge. Wer uns entwaffnen will, ist unser Gegner. Denn er will uns Jägern unsere Passion, also nicht einfach nur ein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung nehmen, uns Schützen unseren Sport verbieten und den Sammlern Ihre wertvollen kulturhistorischen Schätze “rauben”. Jesus hatte wohl nichts gegen Waffen, denn Petrus trug auf dem Ölberg ein Schwert und hieb einem Knecht der Tempelwache ein Ohr ab um die Verhaftung Jesu zu verhindern. Gott ist auch kein Pazifist, das kann man in der Bibel lesen. Dort ist genau beschrieben was am Tag des jüngsten Gerichtes passiert. Wir aber wollen nur jagen und unseren Sport ausüben. Und die Vertreter einer Religion, die zwar für Gewalt einen Legitimation fordert aber einst die brutale Vernichtung ihrer Gegner prophezeit und auf dem von Vernichtungskämpfen und Brutalität gefüllten alten Testament basiert, will uns friedliche Privatiers entwaffnen? Gerade von evangelischen Geistlichen hätte ich etwas mehr Bibelfestigkeit erwartet. Da ich das Glück habe, Mitglied der einzigen weltumspannendnen Einheitskirche zu sein, brauche ich nirgends auszutreten. Denn dort werde ich so akzeptiert wie ich bin: Jäger, Schütze, Reservist und Christ. Wäre ich aber Mitglied in einer Institution, die mich so wie ich bin nicht akzeptieren will oder mir meine Freiheit und meine Passion nehmen will, würde ich mir überlegen mich um zu orientieren. Man kann auch Christ sein, ohne dafür zu bezahlen. Zu der Aufforderung der ev. Landeskirche in selbiger trotz ihrer Gegnerschaft zu uns zu verbleiben, fällt einem aber nichts mehr ein. “Wir unterstüzen deine Feinde aber wollen dein Geld”. Das ist die “frohe” Botschaft!

  2. jürgen reusch sagt:

    die ausführungen von herrn glessner kann ich nur vollinhaltlich teilen und gut heissen. die in den ausführungen von herrn glessner dargestellte haltung der evangelischen kirche hat mich vor jahrzehnten schon zunehmend befremdet und letztendlich dazu gebracht, dieser kirche den rücken zu kehren. die jetzige behandlung unseres schreibens in sachen amoklauf in winnenden rundet auf makabre weise all das ab, was uns jägern in diesem zusammenhang schon vorgeworfen wurde. wir sollten weiterhin stark bleiben und uns nicht in eine ecke drängen lassen,in die wir nicht gehörern.
    mit einem herzlichen waidmannsheil jürgen reusch,kapitän zur see d.r. und kjm backnang a.d.

  3. Hartmut SczepaniaK sagt:

    Der Antwortbrief der ev.Landeskirche ist für mich ein Schlag ins Gesicht, obwohl ich weder Jäger noch Schütze bin, werde ich dieser Kirche den Rücken kehren und kündige meinen Austritt an,.
    Ich hoffe nur, dass ich mit meiner Meinung nicht allein stehen werde und möglichst Vielen die Augen geöffnet wurden.

  4. Erwin Schober sagt:

    Der Antwortbbrief der ev. Landeskirche ist für mich , auch wenn ich kein Waffenbesitzer wäre tatsächlich ein Schlag ins Gesicht . Wo mischt sich die ev. Kirche nicht in alles ein ohne dafür bezahlen zu müssen .
    Beispiel: Abgeschobene Asylanten und Zurückführung dieser und jetzt will dieser Verein auch noch die Waffen abschaffen , solle sie doch einmal ein Vorbild sein und bei der so arg gebeutelten dritten Welt anfangen und nicht nur dort Welthungerhilfe mit dem Geld ihrer Mitglieder leisten damit diese sich immer mehr Waffen kaufen können die dann der deutsche Staat auch noch liefert .
    Wenn ich bei diesem Verein Mitglied wäre , würde ich sofort austreten ,

  5. Diana Tell sagt:

    Ein Skandal, dass sich die evangelische Kirche zur Unterstützung des Aktionsbündnisses Amoklauf oder so ähnlich entschlossen hat und in den Kirchen Unterschriftnlisten ausliegen.
    Ich bin Schützin, wir sind ein Jägerhaushalt seit Generationen, unsere Kinder wachsen damit auf und sind ebenfalls begeistert. Ich halte das Agieren der Kirche in dieser Angelegenheit für unglaublich und durch nichts zu entschuldigen. Es ist inkompetent, geht an den Realitäten vorbei und diskreditiert Millionen von Menschen. Ich sage den Verantwortlichen: Machen Sie uns bitte nicht weis, dass das dazugehört, wenn man Gewalt an Schulen und Jugendlichen bekämpfen will. Schauen sie sich mal bei großen Meisterschaften der Schützen um, welch herausragend sporliches und friedliches Miteinander gerade bei den Jungschützen zu beobachten ist. Wären nur alle Kinder und Jugendliche so. Mein Tip: Mögen die Kirchfürsten doch die nächsten Deutschen Meisterschaften auf der Olympiaschießanlage in Hochbrück bei München im nächsten August besuchen.
    Vielleicht mag sich die Kirche mit ihrer Jugendarbeit hier dranhängen … denn vorbildlichere Jugendarbeit als die, die hier zwischen Tausenden erlebbar ist, habe ich noch nicht gesehen.
    Letztendlich reiht sich die Evangelische Kirche ein in die Reihe der selbsternannten Gutmenschen, zu denen auch die unsäglichen Lehrer gehören, die unseren Kindern – weil sie im Schützenverein sind – psychologische Beratung empfehlen.
    Liebe Kirchführer, wissen Sie, wo die Kirche sehr viel für christliche Werte tun und bewirken kann: In Deutschland werden jährlich über 120000 ungeborene Babys im Mutterleib getötet … einfach so, weil niemand für sie die Verantwortung übernehmen will, wenn sie geboren würden. Ich denke darüber nach, ob ich das Massenmord nennen soll. Wo bleiben denn da die Unterschriftenlisten, die das anprangern? Wo
    bleibt der Aufschrei der Kirchenoberen? Wie sagte Jesus? Lasset die Kindlein zu mir kommen.
    Es ist mir schon klar: Auch bei der Kirche mag man sich nicht von linksgedrehten Massenmedien als “reaktionär” in die Pfanne hauen lassen. Da heult man lieber mit den (linken, im Grunde antibürgerlichen und antidemokratischen) Wölfen: Unterschriftenlisten für ein noch schärferes Waffenrecht …. das gefällt ja den sogenannten Journalisten bei SPIEGEL, STERN und PANORAMA, friedlichste Bevölkerungsteile ob eines Hobbys, das diese nicht verstehen, in die Pfanne zu hauen. Da fällt mir gerade ein: Für dieses Heulen mit den Wölfen ist ja die Kirche nicht gerade unbekannt, denken wir nur an ihr Agieren während der NS-Zeit – Dietrich Bonhoeffer einer der wenigen wahren Christen – stand ohne Schutz und Engagement seiner Kirchenoberen
    für sein Leben. Den Schergen der Gestapo ausgeliefert. Wenigstens hatte er seinen Heiland … die Kirche hatte ihn verlassen. (“Von starken Mächten wunderbar geborgen ….” – die Kirche meinte er damit nicht.)
    Mein Gott, möchte man ausrufen, wie unehrlich und verkommen: Eine Unterschriftenliste auch gegen uns Schützen, Jäger und ihr Hobby – dort aber, wo es auf christliche Wahrhaftigkeit ankommt ….. große Fehlanzeige. Was sollen wir bloß noch in dieser Kirche?

    Diana Tell

  6. Wolfgang Fischer sagt:

    Sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. Fischer,
    mit Verwunderung und schrecken habe ich Ihren Antwortbrief gelesen. Darf ich sie daran erinnern daß die Kirchen in zwei Weltkriegen die Waffen segneten? Darf ich weiter erinnern, daß die Institution Kirche auch heute noch Militärseelsorge unterhält? Die Tat von Winnenden ist sehr schlimm und nicht zu entschuldigen. Wo war die Hilfe der Kirche um dem jungen Mann im Vorfeld mit Rat und Tat zur Seite zu stehen? Fragen über Fragen von der Kirche keine Antworten, nun aber hat sie den Sündenbock ausgemacht, Jäger, Sportschützen und Waffensammler, also alles Menschen die von der Obrigkeit schon genau unter Aufsicht stehen. Wie viel taten wurden nach Winnenden ausgeführt? Die Landeskirche weiß es genau, aber es gibt keine Reaktion. Für mich zeigt der Brief nur eins, Macht und Einfluss stärken, und über das Bündnisse wieder Aufmerksamkeit zu gewinnen, schade. Man kann nur sagen arme Landeskirche. Was für gut bezahlte Männer und Frauen sind das.
    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Fischer

  7. [...] mit der Forderung des Verbots von Waffen in Privathaushalten. Sogar gleich mit Unterschriftenliste. Sehr zum Unmut der betroffenen Waffenbesitzer, welcher auch lautstark kundgetan wurde. Daraufhin hat man auf Seiten der Kirche [...]

  8. Michael Kuhn sagt:

    Es gab da wohl ein “Kamingespräch” im Nachgang.
    Mit genauso enttäuschendem Ergebnis wie das Schreiben des Bischofs schon war.

    http://waffenpflege.tetra-gun.de/archives/101

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