Staatsgelder als Alibi- oder Placebo-Maßnahme einer Gesellschaft

4. November 2009 | Von admin | Kategorie: Politik und Medien zum Waffenbesitz

David_SchillerEs gibt Staatsgelder (!) für Universitäten, um dort Forschungsprojekte zur Verhinderung (Vorbeugung) von school shootings, vulgo “Amokläufen” zu finanzieren. Beispiel gefällig: hier klicken

Eine weitere, typische Alibi- oder Placebo-Maßnahme einer Gesellschaft, die sich immer noch verzweifelt weigert, einfach in den Spiegel zu schauen und die wahren Gründe für das berserkerhafte Ausflippen einzelner Jugendlicher aus ihrer Mitte zu erkennen.

Denn: Es ist ja nicht so, dass die weltweit erschienenen wissenschaftlichen Bücher, Forschungsarbeiten, Dissertationsthemen usw. über Amokläufe nicht schon ganze Regalmeter füllen. Im Gegenteil – es ist schon alles geschrieben wurden (nur nicht von jedem). Aber warum nicht – die Uni-Profs wollen ja auch ein bißchen Spaß haben.

Und vielleicht verhilft die eine oder andere Projektspritze einer vielversprechenden wissenschaftlichen Hilfskraft der akademische Durchbruch und ein bisschen frisches Blut gelangt in unsere verkrusteten Elfenbeintürme. Man kann Geld auch noch sinnloser ausgeben – etwa durch Vergabe an solche Auftragsschreiber wie den „Experten“ und Kriminologieprofessor Christian Pfeiffer und sein Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN).

Das Ganze hat ein tragisches Vorbild: Spulen wir mal kurz zurück – 1978, ein Jahr nach dem “Deutschen  Herbst”, nach Schleyer-Mord und Mogadischu. Die westdeutsche Republik sah sich in ihren gesellschaftlichen Grundfesten erschüttert. Jeder fragte sich, wie es dazu kommen konnte, dass sich ganz normale junge Menschen – zum großen Teil aus gutbürgerlichen Familien, oft christlich erzogen und sogar aus der schwäbischen Idylle stammend wie beispielsweise die RAF-Anührerin Gudrun Ensslin – quasi über Nacht in eine Horde mordender und wildbombender Politdesperados verwandeln konnten . Die abstrusesten Theorien wurden damals in Erwägung gezogen und streckenweise sogar ernsthaft diskutiert.

Die Bundesregierung stellte 1978 rund 40 Millionen DM (!) für die Erforschung des deutschen Terrorismus (links wie rechts) zur Verfügung, eine gewaltige Summe, die damals an Universitäten und Forschungsinstitute floß.

 Allerdings: Die wissenschaftliche Ausbeute war weit weniger spektakulär. Zwar veröffentlichte die Bundesanstalt für Politische Bildung einen großen Teil der Forschungsergebnisse und brachte sie auch als allgemein verfügbare Publikationen unters Volk (d.h. in die Bibliotheken und Lehranstalten).  Aber es bleibt nach wie vor strittig, wieweit diese hochbezahlten Forschungen den Erkenntnisstand verbesserten, warum oder wie jemand eine terroristische Laufbahn einschlägt.

 Und natürlich halfen diese Forschungsarbeiten nur geringfügig oder gar nicht bei der sicherheits- und kriminalpolitischen Bewältigung des Problems mit den deutschen links- wie rechtsextremistischen Politgangstern. Denn trotz allem erfassten Wissens über die erste und zweite Generation der Baader-Meinhof-Bande ließen sich kaum Hinweise daraus erarbeiten wie sich die nachfolgende Untergrund-Generation rekrutierte. Und auch die rechtsextremistischen Gruppierungen veränderten sich in ihrer Erscheinungsform schnell und chamäleonartig, so dass das die Analysen der Lebensläufe früherer Attentäter lediglich historiographischen Wert besaßen.  Denn schon die Anfang der 80er Jahre auftauchenden neuen Terrorgruppen und ihre Methoden widersprachen den in diesen Forschungsarbeiten erstellten Mustern und Raster-Ansätzen.

 Man muß kein Akademiker oder Prophet sein, um vorauszusehen, dass die geplanten Forschungsprojekte zur Verhinderung oder Vorbeugung von Amokläufen für die Praxis nur wenig hilfreiche Analysen produzieren werden. Denn schon jetzt zeigt sich, dass jeder neue Amoklauf oder ähnliche Gewalttaten in dieser Richtung alle bisherigen vermeintlichen Erkenntnisse über Motivation, Entscheidungs- und Planungsprozesse des Täters, Tatmittel und Tatabläufe über den Haufen wirft.

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